Die elektrische Spannung im Kfz

Von der Batterie über die Spannungsfallmessung bis zu 48-Volt- und Hochvoltbordnetzen: eine interaktive Lernunterlage mit Basiswissen für den Einstieg und einer Vertiefung für alle, die es genau wissen wollen.

Turbine = Verbraucher Höhenunterschied = Spannung Plus: hohes Potenzial Masse: 0 V Wasserstrom = Strom

1Was ist Spannung?

Basiswissen

Damit Strom fließt, braucht es einen „Antrieb“. Diesen Antrieb nennt man elektrische Spannung. Sie entsteht, wenn an zwei Punkten unterschiedlich viele Ladungen angehäuft sind: auf der einen Seite ein Elektronenüberschuss, auf der anderen ein Elektronenmangel. Die Ladungen wollen diesen Unterschied ausgleichen, und sobald ein leitender Weg vorhanden ist, fließt Strom.

Die Einheit der Spannung ist das Volt (V), benannt nach Alessandro Volta, der um 1800 die erste Batterie baute. Das Formelzeichen ist U.

Die Wasseranalogie

Das Bild oben hilft beim Verständnis: Wasser fließt vom oberen Behälter nach unten und treibt dabei eine Turbine an. Der Höhenunterschied entspricht der Spannung, die Wassermenge pro Sekunde dem Strom und die Turbine dem Verbraucher. Ohne Höhenunterschied fließt kein Wasser, auch wenn die Rohre voll sind.

Merke

Spannung ist die Ursache, Strom die Wirkung. Eine Spannung kann ohne Strom vorhanden sein, etwa an einer Batterie ohne Verbraucher. Strom ohne Spannung gibt es nicht.

2Spannungsquellen im Fahrzeug

Basiswissen

Im Fahrzeug gibt es heute mehrere Spannungsebenen, von wenigen Volt für Sensoren bis zu mehreren hundert Volt im Elektroantrieb. Tippe auf eine Karte.

Ruhespannung der Batterie (nach Ruhephase)Ladezustand etwa
12,7 V und mehrvoll geladen
12,5 Vetwa 75 %
12,3 Vetwa 50 %
12,1 Vetwa 25 %
unter 12,0 Vstark entladen

Die Werte sind Richtwerte für Blei-Säure-Batterien und gelten nur, wenn die Batterie einige Stunden weder geladen noch belastet wurde. AGM- und EFB-Batterien haben etwas andere Kennwerte. Genauer ist ein Batterietester.

Merke

Motor aus: rund 12,6 V. Motor läuft: rund 14 V. Liegt die Spannung bei laufendem Motor nicht deutlich über der Batteriespannung, lädt der Generator nicht.

3Potenzial und Masse

Basiswissen

Eine Spannung besteht immer zwischen zwei Punkten. Um trotzdem sagen zu können „an diesem Pin liegen 5 V“, braucht man einen gemeinsamen Bezugspunkt. Im Fahrzeug ist das die Masse, also Karosserie und Minuspol der Batterie. Ihr ordnet man das Potenzial 0 V zu.

Das Potenzial eines Punktes ist seine Spannung gegenüber Masse. Die Spannung zwischen zwei beliebigen Punkten ist die Differenz ihrer Potenziale:

UAB = φA − φBBeispiel: Punkt A hat 12 V, Punkt B hat 8 V gegen Masse. Zwischen A und B liegen 4 V.

Wenn im Schaltplan oder in einer Prüfanleitung „Spannung am Pin 3“ steht, ist fast immer die Spannung gegen Masse gemeint. Die schwarze Messleitung kommt dann an eine gute Masse, zum Beispiel den Minuspol der Batterie.

Merke

Spannung ist ein Unterschied. Ohne Bezugspunkt ist eine Spannungsangabe sinnlos. Im Fahrzeug ist der Bezugspunkt fast immer die Masse.

4Spannung in Reihenschaltungen

Basiswissen

Liegen mehrere Widerstände hintereinander in einem Stromkreis, teilt sich die Spannung der Quelle auf sie auf. Die Teilspannungen zusammen ergeben immer die Gesamtspannung. Das ist die Maschenregel, das 2. Kirchhoffsche Gesetz:

Uges = U1 + U2 + U3 + …

Jeder Widerstand bekommt dabei einen Anteil, der seiner Größe entspricht: Der größere Widerstand bekommt die größere Spannung. Das gilt auch für ungewollte Widerstände. Ein korrodierter Stecker ist nichts anderes als ein zusätzlicher Widerstand in Reihe zum Verbraucher, und er „stiehlt“ dem Verbraucher Spannung. Genau das zeigt der Simulator im Kapitel 6.

Merke

In der Reihenschaltung teilt sich die Spannung auf. Jeder Übergangswiderstand im Stromkreis verringert die Spannung am Verbraucher.

5Spannung messen

Basiswissen

Ein Voltmeter misst den Unterschied zwischen zwei Punkten. Es wird deshalb parallel angeschlossen, der Stromkreis bleibt geschlossen. Sein Innenwiderstand ist sehr hoch, typisch 10 MΩ, damit es selbst kaum Strom aufnimmt und die Schaltung nicht verfälscht.

  1. Messart wählenGleichspannung (V mit geradem Strich) für das Bordnetz, Wechselspannung (V mit Wellenlinie) etwa für Welligkeit oder induktive Sensoren.
  2. Messleitungen steckenSchwarz an COM, Rot an die V-Buchse. Nach einer Strommessung besonders darauf achten.
  3. Bezugspunkt wählenFür „Spannung gegen Masse“ die schwarze Leitung an eine saubere Masse legen.
  4. Unter Last messenEine Spannung ohne Last sagt wenig. Eine Leitung mit hohem Übergangswiderstand zeigt ohne Strom die volle Spannung, bricht aber ein, sobald der Verbraucher eingeschaltet ist.
Merke

Spannung parallel messen, Strom in Reihe. Und Spannungen möglichst unter Last messen, denn nur dann zeigen sich Übergangswiderstände.

6Die Spannungs­fallmessung

Basiswissen

Die Spannungsfallmessung ist eine der wertvollsten Methoden in der Kfz-Elektrik. Statt die Spannung gegen Masse zu messen, misst man direkt über einer Leitung, einem Schalter oder einem Kontakt, während Strom fließt. Eine intakte Verbindung hat fast keinen Widerstand, also fast keinen Spannungsfall. Zeigt das Messgerät einige Zehntel Volt oder mehr, sitzt genau dort ein Übergangswiderstand.

–Anzeige Voltmeter
–Leistung am Verbraucher
–Strom

Modell: Batterie 12,6 V, Verbraucher 3 Ω (etwa ein Scheinwerfer). Schalte den Verbraucher aus und miss über dem Massepunkt: Ohne Strom zeigt auch ein schlechter Kontakt 0 V.

Als Faustregel gilt für einzelne Verbindungen im Laststromkreis: Deutlich unter 0,1 V ist gut, einige Zehntel Volt sind verdächtig. Bei Hochstromkreisen wie Anlasser und Generator vergleicht man mit den Herstellerwerten, denn dort sind wegen der hohen Ströme auch kleine Widerstände entscheidend.

Merke

Spannungsfall nur bei fließendem Strom messen. Ohne Strom fällt an keinem Widerstand Spannung ab, auch nicht am schlechtesten Kontakt.

✓Selbsttest Basiswissen

Basiswissen

5 Fragen zu den Kapiteln 1 bis 6. Die Erklärung erscheint direkt nach deiner Antwort.

7Spannung, Energie und Feld

Erweitertes Wissen

Physikalisch ist die Spannung die Energie, die eine Ladung beim Durchlaufen zwischen zwei Punkten abgibt oder aufnimmt, bezogen auf die Ladung:

U = WQ    1 V = 1 JCW = Energie in Joule, Q = Ladung in Coulomb.

Daraus folgt direkt die elektrische Leistung: Fließt pro Sekunde die Ladung I, wird pro Sekunde die Energie U · I umgesetzt, also P = U · I.

Zwischen zwei Punkten mit unterschiedlichem Potenzial besteht ein elektrisches Feld. In einem homogenen Feld, etwa zwischen zwei parallelen Platten im Abstand d, gilt E = U / d. Die Feldstärke ist der Grund, warum hohe Spannungen durch Luft springen können: Ab etwa 3 kV pro Millimeter wird trockene Luft bei Normaldruck leitend. Im Brennraum ist der Druck viel höher und die Durchschlagsspannung steigt entsprechend, deshalb braucht die Zündkerze Spannungen im Bereich von einigen zehntausend Volt.

Rechenbeispiel aufklappen

Eine Batterie mit 12 V gibt eine Ladung von 1 Ah ab. 1 Ah = 3.600 C.

W = U · Q = 12 V · 3.600 C = 43.200 J = 12 Wh. Eine 70-Ah-Batterie speichert demnach rechnerisch etwa 840 Wh, wobei nur ein Teil davon nutzbar ist.

8Der Spannungsteiler

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Zwei Widerstände in Reihe bilden einen Spannungsteiler. Die Spannung am unteren Widerstand ergibt sich aus dem Verhältnis der Widerstände:

U2 = Uges · R2R1 + R2

Der Spannungsteiler ist im Fahrzeug allgegenwärtig. Temperatursensoren mit NTC bilden mit einem Widerstand im Steuergerät einen Spannungsteiler an 5 V, Potentiometer in Pedalwertgebern sind verstellbare Spannungsteiler, und Schalterabfragen arbeiten mit Widerstandskodierungen, bei denen jede Schalterstellung eine andere Teilspannung ergibt.

Belasteter Spannungsteiler

Die Formel gilt nur, solange am Abgriff kein nennenswerter Strom entnommen wird. Hängt man einen Lastwiderstand RL parallel zu R2, wirkt nur noch die Parallelschaltung, und U2 sinkt. Deshalb sind die Eingänge von Steuergeräten und Messgeräten sehr hochohmig.

Rechenbeispiel aufklappen

Temperatursensor-Schaltung: 5 V, Vorwiderstand im Steuergerät R1 = 2,49 kΩ, NTC bei 20 °C R2 = 2,5 kΩ.

U2 = 5 V · 2,5 / (2,49 + 2,5) ≈ 2,5 V.

Bei 90 °C hat der NTC nur noch etwa 240 Ω: U2 = 5 V · 0,24 / 2,73 ≈ 0,44 V. So entsteht das Temperatursignal.

9Innenwiderstand von Spannungsquellen

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Jede reale Spannungsquelle hat einen Innenwiderstand Ri. Bei einer Batterie entsteht er durch Elektrolyt, Platten, Verbinder und Pole. Fließt Strom, fällt ein Teil der Spannung schon in der Batterie ab, und an den Polen, den Klemmen, kommt weniger an:

UKl = U0 − I · RiU0 = Leerlaufspannung, UKl = Klemmenspannung unter Last.
–Klemmenspannung
–Spannungsfall in der Batterie
–Bewertung beim Startvorgang

Modell mit Richtwert: Beim Starten sollte die Spannung an den Polen etwa 9,6 V nicht unterschreiten, sonst können Steuergeräte zurücksetzen und der Motor startet schlecht.

Eine neue Starterbatterie hat einen Innenwiderstand von wenigen Milliohm. Durch Alterung, Sulfatierung und Kälte steigt er deutlich an. Die Leerlaufspannung verrät das nicht: Eine gealterte Batterie kann 12,7 V zeigen und trotzdem beim Starten zusammenbrechen. Moderne Batterietester messen deshalb den Innenwiderstand bzw. die Leitfähigkeit und berechnen daraus den Kaltstartstrom.

10Spannungs­ebenen im modernen Fahrzeug

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Warum nicht alles mit 12 V betreiben? Die Antwort steckt in der Leistungsformel. Für dieselbe Leistung braucht man bei höherer Spannung weniger Strom:

I = PU    PVerlust = I² · RLeitung
Rechenbeispiel aufklappen

Ein elektrischer Verdichter braucht 5 kW.

Bei 12 V: I = 5.000 / 12 ≈ 417 A. Bei 48 V: I ≈ 104 A.

Bei gleicher Leitung sinken die Leitungsverluste auf ein Sechzehntel, weil der Strom quadratisch eingeht. Deshalb nutzen Mildhybride 48 V und Elektrofahrzeuge 400 V oder 800 V.

Die Spannungsebenen sind über DC/DC-Wandler miteinander verbunden. Beim Elektrofahrzeug versorgt der Wandler das 12-V-Bordnetz aus der Hochvoltbatterie und ersetzt damit den Generator. Die 12-V-Batterie bleibt trotzdem nötig, weil sie beim Einschalten die Steuergeräte und die Hochvolt-Schütze versorgt.

Die 48-V-Ebene wurde bewusst unter 60 V gewählt: Unterhalb dieser Grenze gilt ein System nicht als Hochvolt, die aufwendigen Berührschutzmaßnahmen entfallen.

Vorsicht

Auch 48 V können bei Kurzschluss sehr hohe Ströme und Lichtbögen erzeugen, die sich schlechter löschen als bei 12 V. Die Herstellervorgaben zum Abklemmen und Freischalten gelten auch hier.

11Wechselspannung und Welligkeit

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Eine sinusförmige Wechselspannung wird durch Scheitelwert û, Effektivwert Ueff und Frequenz beschrieben. Wie beim Strom gilt für reine Sinusform:

Ueff = û√2    Uss = 2 · ûUss ist die Spitze-Spitze-Spannung, die man am Oszilloskop direkt abliest.

Welligkeit des Generators

Der Generator liefert nach der Gleichrichtung keine völlig glatte Gleichspannung. Ihr ist eine kleine Wechselspannung überlagert, die Welligkeit. Mit dem Oszilloskop im AC-Modus oder mit dem Multimeter im Wechselspannungsbereich direkt an der Batterie gemessen, liegt sie bei einem intakten Generator im Bereich weniger hundert Millivolt. Ist eine Gleichrichterdiode defekt, wird sie deutlich größer, und das Oszilloskopbild zeigt ein charakteristisch unregelmäßiges Muster mit Lücken.

Mehr zur Gleichrichtung zeigt die Lernunterlage Dioden.

Merke

Viele Multimeter zeigen bei nicht sinusförmigen Spannungen falsche Effektivwerte. Für Welligkeit, PWM und Sensorsignale ist das Oszilloskop das richtige Werkzeug.

12Spannungsspitzen und Diagnose

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Das Bordnetz ist nicht so ruhig, wie die Nennspannung vermuten lässt. Steuergeräte müssen eine Reihe genormter Störungen aushalten:

StörungUrsacheAuswirkung
StarteinbruchHoher Anlasserstrom, besonders bei KälteSpannung fällt kurzzeitig weit unter 12 V, Steuergeräte können zurücksetzen
InduktionsspitzenAbschalten von Spulen wie Relais, Motoren, VentilenKurze Spitzen von vielen Volt, werden mit Freilaufdioden oder Schutzdioden begrenzt
Load DumpBatterie wird bei laufendem Generator getrenntSpannungsspitze, die ohne Begrenzung sehr hohe Werte erreichen kann
WelligkeitGleichrichtung im GeneratorStörgeräusche im Radio, unruhige Sensorsignale bei Diodendefekt

Profitipps

  • Bei Startproblemen die Spannung am Anlasser und an der Batterie gleichzeitig während des Startens aufzeichnen. Die Differenz zeigt den Spannungsfall in den Leitungen.
  • Nie die Batterie bei laufendem Motor abklemmen, um den Generator zu „testen“. Das kann einen Load Dump auslösen und Elektronik zerstören.
  • Beim Überbrücken und Laden auf die richtige Reihenfolge und auf Spannungsspitzen achten, besonders bei Start-Stopp-Fahrzeugen mit Batteriesensor. Den Minus-Anschluss nach Herstellervorgabe an den Massepunkt legen, nicht direkt an den Minuspol.
  • Sporadische Fehler in vielen Steuergeräten gleichzeitig deuten oft auf Spannungseinbrüche oder Masseprobleme, nicht auf defekte Steuergeräte.

✓Selbsttest Erweitertes Wissen

Erweitertes Wissen

6 Fragen zu den Kapiteln 7 bis 12, auf Meister- und Technikerniveau. Die Erklärung erscheint direkt nach deiner Antwort.