Transistoren im Kfz

Vom elektronischen Schalter über Endstufen im Steuergerät bis zum Wechselrichter im Elektroantrieb: eine interaktive Lernunterlage mit Basiswissen für den Einstieg und einer Vertiefung für alle, die es genau wissen wollen.

Basis Kollektor Emitter kleiner Strom großer Strom

1Was ist ein Transistor?

Basiswissen

Ein Transistor ist ein Halbleiterbauteil mit drei Anschlüssen. Seine Grundidee: Ein kleiner Steuerstrom oder eine kleine Steuerspannung an einem Anschluss steuert einen viel größeren Strom zwischen den beiden anderen. Damit kann er zwei Aufgaben übernehmen:

  • Schalter: ganz aus oder ganz an, ohne Mechanik, verschleißfrei und sehr schnell. Das ist im Fahrzeug die häufigste Anwendung.
  • Verstärker: Ein kleines Signal wird zu einem großen Signal mit gleicher Form, etwa in Audioverstärkern oder an Sensoreingängen.

Der Transistor wurde 1947 in den Bell Laboratories erfunden. Heute enthält ein einziger Mikrocontroller in einem Steuergerät Millionen davon. In dieser Lernunterlage geht es um die einzelnen Transistoren, die im Fahrzeug Leistung schalten.

Merke

Der Transistor ist ein elektronischer Schalter: Ein kleiner Steuerstrom schaltet einen großen Laststrom. Er ersetzt im Steuergerät das mechanische Relais.

2Der Bipolartransistor

Basiswissen

Der Bipolartransistor besteht aus drei Halbleiterschichten. Je nach Reihenfolge unterscheidet man NPN- und PNP-Transistoren. Die Anschlüsse heißen:

  • Basis (B): der Steueranschluss.
  • Kollektor (C): hier fließt der Laststrom hinein (bei NPN).
  • Emitter (E): hier fließt der Gesamtstrom heraus. Im Schaltzeichen trägt er den Pfeil, der die Stromrichtung zeigt.

Beim NPN-Transistor fließt ein Kollektorstrom, sobald ein Basisstrom fließt. Dazu muss die Basis etwa 0,7 V positiver als der Emitter sein, denn zwischen Basis und Emitter liegt eine Diodenstrecke. Im Verstärkerbereich ist der Kollektorstrom ein Vielfaches des Basisstroms:

IC = B · IBB = Stromverstärkung, bei Kleinsignaltransistoren typisch 100 bis 500, bei Leistungstransistoren oft deutlich weniger.
Merke

NPN: Basis positiv gegenüber Emitter, dann leitet der Transistor. Kleiner Basisstrom, großer Kollektorstrom.

3Der Transistor als Schalter

Basiswissen

Im Simulator schaltet ein NPN-Transistor eine Lampe mit 12 W. Erhöhe langsam den Basisstrom und beobachte, was mit Lampe, Spannung und Verlustleistung im Transistor passiert.

–Kollektorstrom
–Spannung Kollektor-Emitter
–Verlustleistung im Transistor
–Betriebszustand

Modell: 12 V Versorgung, Lampe 12 Ω, Sättigungsspannung 0,2 V.

Drei Zustände sind wichtig:

  • Gesperrt: Kein Basisstrom, kein Kollektorstrom. Am Transistor liegt die volle Spannung, aber es fließt kein Strom, also entsteht keine Wärme.
  • Verstärkerbereich: Der Transistor ist „halb offen“. Es fließt Strom und gleichzeitig liegt Spannung an. Die Verlustleistung P = UCE · IC ist hier am größten.
  • Sättigung: Der Transistor ist voll durchgeschaltet. Es fließt der volle Strom, aber am Transistor liegen nur noch etwa 0,2 V. Die Verlustleistung ist wieder klein.
Merke

Ein Schalttransistor soll entweder ganz aus oder ganz an sein. Im Zwischenbereich wird er heiß. Deshalb schalten Steuergeräte schnell und steuern kräftig an.

4Der MOSFET

Basiswissen

In modernen Fahrzeugen schalten meist MOSFETs die Lasten. Ihre Anschlüsse heißen Gate (G), Drain (D) und Source (S). Der wichtigste Unterschied zum Bipolartransistor: Der MOSFET wird nicht über einen Strom, sondern über eine Spannung am Gate gesteuert. Das Gate ist durch eine hauchdünne Oxidschicht isoliert, im eingeschwungenen Zustand fließt praktisch kein Steuerstrom.

MerkmalBipolartransistorMOSFET
SteuerungBasisstromGatespannung
AnschlüsseBasis, Kollektor, EmitterGate, Drain, Source
Verhalten eingeschaltetRestspannung etwa 0,2 V und mehrWie ein kleiner Widerstand RDS(on), oft nur wenige Milliohm
Schaltgeschwindigkeitmittelsehr schnell
EmpfindlichkeitrobustGate empfindlich gegen elektrostatische Entladung

Leistungs-MOSFETs enthalten außerdem eine eingebaute Diode zwischen Source und Drain, die Body-Diode. Sie leitet, wenn der Strom in Rückwärtsrichtung fließen will, etwa bei induktiven Lasten.

Merke

MOSFET: spannungsgesteuert, sehr kleiner Durchlasswiderstand, schnell. Deshalb ist er im Fahrzeug der Standard für Endstufen und PWM.

5Transistoren im Fahrzeug

Basiswissen

Überall, wo ein Steuergerät etwas schaltet, arbeitet ein Transistor. Tippe auf eine Karte.

Merke

Wenn im Schaltplan ein Aktor „vom Steuergerät angesteuert“ wird, steckt fast immer ein Transistor dahinter, der gegen Masse oder gegen Plus schaltet.

6Prüfen in der Werkstatt

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Transistoren in Steuergeräten werden in der Werkstatt nicht einzeln geprüft oder getauscht. Wichtig ist, die Ansteuerung von außen richtig zu beurteilen.

  1. Ansteuerung messenAm Aktor mit dem Oszilloskop prüfen, ob das Steuergerät schaltet. Bei Low-Side-Schaltern fällt die Spannung am Steuergerätepin beim Einschalten auf nahezu 0 V.
  2. Stellglieddiagnose nutzenViele Aktoren lassen sich mit dem Diagnosegerät gezielt ansteuern. So trennt man Fehler in der Logik von Fehlern in Endstufe, Leitung oder Aktor.
  3. Last prüfenHäufig ist nicht der Transistor die Ursache, sondern ein Aktor mit Windungsschluss, der die Endstufe überlastet. Vor dem Steuergerätetausch den Widerstand des Aktors prüfen.
  4. Einzelne Transistoren testenAusgebaute Bipolartransistoren lassen sich mit der Diodenprüfung testen: Basis-Emitter und Basis-Kollektor verhalten sich wie Dioden, zwischen Kollektor und Emitter darf in keiner Richtung Durchgang sein.
Vorsicht

Keine Prüflampe an Steuergeräteausgänge halten und keine Aktoren mit falschem Widerstand einbauen. Beides kann die Endstufe überlasten. Beim Umgang mit Steuergeräten und Bauteilen auf ESD-Schutz achten.

✓Selbsttest Basiswissen

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5 Fragen zu den Kapiteln 1 bis 6. Die Erklärung erscheint direkt nach deiner Antwort.

7Ansteuerung dimensionieren

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Damit ein Bipolartransistor sicher in der Sättigung arbeitet, muss der Basisstrom größer sein, als rechnerisch nötig wäre. Man spricht von Übersteuerung. Der Übersteuerungsfaktor ü liegt typisch bei 2 bis 5. Der Basisvorwiderstand berechnet sich dann so:

RB = USt − UBEü · IC / BUSt = Steuerspannung, UBE ≈ 0,7 V, IC = Laststrom, B = Stromverstärkung.
Rechenbeispiel aufklappen

Ein Mikrocontroller mit 5 V soll über einen Transistor mit B = 100 ein Relais mit 150 mA schalten. Übersteuerungsfaktor 3.

IB = 3 · 150 mA / 100 = 4,5 mA, RB = (5 − 0,7) V / 4,5 mA ≈ 956 Ω, gewählt 910 Ω oder 820 Ω.

Kennlinienfeld und Arbeitspunkt

Das Ausgangskennlinienfeld zeigt IC über UCE für verschiedene Basisströme. Zeichnet man die Lastgerade der Schaltung ein, liegen die möglichen Betriebspunkte auf ihr: oben links die Sättigung, unten rechts der Sperrzustand. Für Verstärker legt man den Arbeitspunkt in die Mitte, damit das Signal nach beiden Seiten Platz hat. Für Schalter springt man möglichst schnell zwischen den beiden Enden hin und her.

8Verluste und Kühlung

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Auch ein perfekt angesteuerter Schalttransistor erzeugt Wärme. Man unterscheidet zwei Verlustarten:

PDurchlass = I² · RDS(on)     PSchalt ≈ ½ · U · I · (tein + taus) · fDie Durchlassverluste gelten für den MOSFET im eingeschalteten Zustand. Die Schaltverluste entstehen bei jedem Umschalten, weil kurz Strom und Spannung gleichzeitig anliegen.
Rechenbeispiel aufklappen

Kühlerlüfter mit 25 A, per PWM mit 20 kHz angesteuert. MOSFET mit 4 mΩ, Schaltzeiten je 0,5 µs, Bordnetz 14 V, Tastgrad 100 %.

Durchlass: 25² · 0,004 = 2,5 W. Schalten: ½ · 14 · 25 · 1 µs · 20.000 = 3,5 W.

Die Schaltverluste sind hier sogar größer als die Durchlassverluste. Eine niedrigere PWM-Frequenz senkt sie, kann aber hörbare Geräusche im Motor erzeugen. Deshalb liegen PWM-Frequenzen für Motoren oft oberhalb des Hörbereichs.

Die Wärme muss über das Gehäuse, die Leiterplatte und einen Kühlkörper abgeführt werden. Wird der Transistor zu heiß, schalten moderne Leistungshalbleiter selbstständig ab. Ältere Bauteile werden dauerhaft zerstört, meist durchlegiert, sodass die Last dann dauerhaft eingeschaltet bleibt.

9Darlington und IGBT

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Darlington-Schaltung

Zwei Bipolartransistoren werden so zusammengeschaltet, dass der erste den Basisstrom des zweiten liefert. Die Stromverstärkungen multiplizieren sich, Bges ≈ B1 · B2. Nachteil: Die Sättigungsspannung ist höher, weil zwei Basis-Emitter-Strecken in Reihe liegen. Darlington-Transistoren fanden sich früher häufig in Zündendstufen und Steuergeräten.

IGBT

Der Insulated Gate Bipolar Transistor kombiniert das spannungsgesteuerte Gate eines MOSFET mit dem leistungsfähigen Ausgang eines Bipolartransistors. Er ist besonders für hohe Spannungen geeignet. Im Fahrzeug findet man IGBTs in zwei wichtigen Anwendungen:

  • Zündendstufe: Beim Abschalten des Primärstroms entstehen an der Zündspule primärseitig einige hundert Volt. Der IGBT hält diese Spannung aus und hat oft eine eingebaute Spannungsbegrenzung.
  • Wechselrichter im Elektroantrieb: IGBT-Module schalten dort Ströme von mehreren hundert Ampere bei Spannungen von einigen hundert Volt.

Für 800-V-Systeme setzen sich zunehmend Siliziumkarbid-MOSFETs durch. Sie schalten schneller und mit geringeren Verlusten als Silizium-IGBTs und vertragen höhere Temperaturen. Das erhöht den Wirkungsgrad und damit die Reichweite.

10Low-Side, High-Side und intelligente Schalter

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Ein Transistor kann eine Last auf zwei Arten schalten: Low-Side, also zwischen Last und Masse, oder High-Side, zwischen Plus und Last. Für die Fehlersuche ist das entscheidend, denn derselbe Leitungsfehler wirkt sich je nach Schaltart völlig unterschiedlich aus. Probiere es aus.

–Verbraucher
–Strom durch den Schalter
–Was das Steuergerät erkennt

Modell mit intelligentem Halbleiterschalter, der Überstrom erkennt und abschaltet sowie im ausgeschalteten Zustand die Leitung auf Unterbrechung und Kurzschluss prüft.

Intelligente Halbleiterschalter

Moderne Endstufen sind integrierte Bausteine mit Leistungs-MOSFET und Schutzlogik. Sie messen laufend Strom und Temperatur, schalten bei Kurzschluss oder Überhitzung ab und melden den Zustand an den Mikrocontroller. Im ausgeschalteten Zustand prüfen sie mit kleinen Messströmen, ob die Last angeschlossen ist. So entstehen die detaillierten Fehlercodes wie „Kurzschluss nach Masse“ oder „Leitungsunterbrechung“.

High-Side-Schalter mit Strommessung ersetzen zunehmend Relais und Schmelzsicherungen. In neuen Zonenarchitekturen versorgen Zonensteuergeräte ganze Fahrzeugbereiche über solche elektronischen Sicherungen, die sich nach einem Fehler per Software wieder einschalten lassen.

11Der Wechselrichter im Elektroantrieb

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Elektromotoren in Fahrzeugen sind meist Drehstrommaschinen. Die Hochvoltbatterie liefert aber Gleichspannung. Der Wechselrichter erzeugt daraus einen Drehstrom mit variabler Frequenz und Amplitude und steuert so Drehzahl und Drehmoment.

Das Herzstück ist eine B6-Brücke aus sechs Leistungsschaltern, je zwei pro Phase. Pro Phase ist immer entweder der obere oder der untere Schalter eingeschaltet, nie beide gleichzeitig, denn das wäre ein Kurzschluss der Batterie. Durch schnelles Umschalten mit PWM, typisch mit einigen bis einigen zehn Kilohertz, entsteht an jedem Motoranschluss eine Spannung, deren Mittelwert sinusförmig schwankt. Die Induktivität der Motorwicklungen glättet den Strom zu einem annähernden Sinus.

  • Antreiben: Der Wechselrichter speist Energie aus der Batterie in den Motor.
  • Rekuperieren: Beim Bremsen arbeitet der Motor als Generator. Über die Schalter und ihre Dioden fließt die Energie zurück in die Batterie.

Weil die Schaltverluste mit der Frequenz und der Spannung steigen, sind schnelle Halbleiter wie Siliziumkarbid besonders bei 800-V-Systemen ein großer Vorteil. Die Wärme wird über eine Flüssigkeitskühlung abgeführt, die oft mit dem Kühlkreis von Motor und Batterie verbunden ist.

Vorsicht

Wechselrichter sind Hochvoltkomponenten mit großen Zwischenkreiskondensatoren. Arbeiten daran nur mit der entsprechenden Qualifikation und nach Herstellervorgabe.

12Diagnose für Fortgeschrittene

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BeobachtungMögliche UrsachenNächster Schritt
Aktor läuft dauerhaft, auch bei ausgeschalteter ZündungDurchlegierter Transistor, bei Low-Side auch Masseschluss der AnsteuerleitungStecker am Steuergerät abziehen: Läuft der Aktor weiter, liegt ein Leitungsfehler vor
Endstufe nach Tausch sofort wieder defektAktor mit Windungsschluss, Kurzschluss in der Leitung, fehlende FreilaufdiodeAktorwiderstand und Leitung vor dem erneuten Tausch prüfen
Fehler „Kurzschluss nach Plus“ an einem Low-Side-AusgangLeitung zwischen Aktor und Steuergerät berührt PlusLeitung abschnittsweise auf Schluss nach Plus prüfen
Fehler „Unterbrechung“ nur bei warmem MotorWackelkontakt, Haarriss in Leitung oder LötstelleWackeltest und Wärmetest mit laufender Istwertanzeige
Lüfter läuft nur auf voller StufePWM-Endstufe im Lüftersteuergerät defekt oder Notlauf aktivPWM-Signal und Fehlerspeicher des Lüftersteuergeräts prüfen

Profitipps

  • Vor dem Tausch eines Steuergeräts wegen „defekter Endstufe“ immer Aktor und Leitung prüfen. Sonst ist das neue Steuergerät nach wenigen Minuten ebenfalls defekt.
  • Die Schaltart eines Ausgangs steht im Schaltplan: Kommt die Versorgung des Aktors direkt aus einer Sicherung, schaltet das Steuergerät meist Low-Side.
  • Bei PWM-Ausgängen misst das Multimeter nur einen Mittelwert. Tastgrad und Flanken sieht man nur mit dem Oszilloskop.

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6 Fragen zu den Kapiteln 7 bis 12, auf Meister- und Technikerniveau. Die Erklärung erscheint direkt nach deiner Antwort.